«« zurück

 

Konzept der Rauminstallation von St. Bonifaz in München

 

Ausgangspunkt für die Installation in der Basilika bildete die historische Gegebenheit der Basilika. Im Zuge der Stadterneuerung im 19. Jahrhundert plante König Ludwig I in München die Neugestaltung eines ganzen Stadtviertels. Um nun dem Zentrum für klassische Kunst und Kultur am Königsplatz ein Gegengewicht zu verleihen, ließ der Herrscher in der Nähe eine Kirche mit Kloster errichten. Diese, im Stile der Romanik erbaute Basilika, wurde den Benediktinern vom Kloster Andechs anvertraut.

Nach einem Bombentreffer im 2. Weltkrieg wurde der Mittelteil der Basilika gänzlich zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaus der Basilika wurde diese in drei Teile geteilt: Heute betritt man die Kirche wie damals durch das mächtige Portal des alten Kirchenraumes. Diesem heute nur mehr fragmentarisch vorhandenem Gotteshaus fehlt ein wichtiger Teil, die Apsis. Im Mittelteil eingeschoben befindet sich jetzt ein Bildungszentrum, das auch andere kirchliche Einrichtungen beherbergt. Der vorderste Gebäudeteil mit der alten Apsis, der den Bombenangriff heil überstanden hat, wird zu Zeit als Veranstaltungssaal genutzt.

Die künstlerische Intention war nun entlang der unterirdischen Kraftfelder die „Verstümmelung“ der Gesamtanlage zu überwinden und den spirituellen Fluss wieder fließen zu lassen. Dazu wurden aus dem Flussbett der Taugl (in Vigaun bei Salzburg) 8 Tonnen rund gewaschene Kiesel von rund 40 – 60 cm Durchmesser zu Steinkreisen geformt. Der erste Kreis entstand vor dem verschlossenen Bronzeportal, das Zentrum dieses Kreises bildete eine vertikale Holzwurzel mit einer starken Yang Schwingung, die die Härte des verschlossenen Portals unterstreicht.

 

 

 

Gleich hinter dem Portal kam der nächste Steinkreis zu liegen, die zentrale Installation des ganzen Projektes. Das Zentrum dieses Kreises bildete eine runde Metallwanne von 8 Meter Durchmesser und 20 cm Tiefe. Die Wasseroberfläche spiegelte die Säulengänge der Basilika wider, eine Gegenwelt zur eigentlichen Realität. Zudem wirkte die Wanne wie eine Brunnen, ein kräftiger Ying Impuls mit reinigender und reinkarnativer Kraft.

Der dritte Steinkreis entstand im Bereich der alten Apsis, in dessen Mitte drei Eisenrohre aufragen. Die unterirdisch fließende Energie kann emporsteigen und sich gebündelt über die Rohre in den Raum erheben. Fahnenbilder umrahmen die Installationen und ergänzen das Gesamtkunstwerk. Die Eröffnung fand am 22. 2. 1994 statt. Dabei erklang das Opus 104 von Gottfried von Einem, der dieses Werk für diese Rauminstallation in St. Bonifaz geschaffen hat und das von Mitgliedern des Symphonieorchesters des Bayrischen Rundfunks uraufgeführt wurde.