Malerei

 

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Kaltner versucht, wie zahlreiche andere Maler, Bildhauer und zeitgenössische Komponisten, Bilder, Abbilder des ewig Wiederkehrenden aufzuspüren und festzuhalten. Es ist dies eine Suche die man auch mit Namen wie Lucio Fontana oder Karl-Heinz Stockhausen, um nur zwei zu nennen, verbinden könnte. Dabei verzichtet Kaltner nicht auf religiöse Zusammenhänge. Mehr als devote Praktiken interessiert Kaltner an der Religion jedoch die Symbolhaftigkeit der Rituale. Sichtbare Symbole als immer wiederkehrende magische Elemente, die, obwohl wiederkehrend, in immer neuer Form erscheinen. Aus dieser Suche heraus entstanden Glasfenster, Fresken, Rauminstallationen, aber auch unausgeführte Projekte und Planungen für Klöster und Kirchen.

Das erinnert mich an meinen letzten Besuch in Salzburg. Eine Episode, die aufzeigt, wie ernst Kaltner die Auseinandersetzung mit religiöser Kunst nimmt. Nachdem wir gemeinsam die Ausstellung über Ewald Mataré im Dommuseum besucht hatten, ein Bildhauer, der übrigens auch Lehrer von Joseph Beuys war, und der in Zeit des Nationalsozialismus nur durch kirchliche Aufträge überleben konnte, blätterten wir in einer Publikation des Museums, und Kaltner zeigte mir mit Stolz die Abbildung einer seiner großformatigen Fahnenbilder, das sich zwischen den verschiedenen Objekten und Artefakten des Dommuseums befand. Bilder bedeuten für ihn eine Spur, eine Fährte, das übriggebliebene, sichtbare Zeugnis eines Weges, einer Suche. Das Kunstwerk als Zeugnis von verinnerlichten Eindrücken, die ihn in ihrer Komplexität, in ihrer Dramatik bewegen.

Hierin folgt er Hermann Nitsch und Anselm Kiefer, zwei Künstler, die ebenfalls das Bild als Schlussstein eines emotionalen Prozesses sehen, eines Prozesses, in dem Einflüsse und Emotionen sich zum Bild verdichten. Kaltner arbeitet zyklisch. Serien entstehen, die sich in ihrer Farbigkeit, in ihrer Chromatik unterscheiden. Farbwahl und Farbauftrag, Pinselführung und auch die Dichte der Bilder variieren, während der Ausdruck und die Handschrift des Bildes ihre Intensität und ihre Grundaussage nahezu unverändert über die verschiedenen Zyklen hinweg beibehalten. Vor Jahren entstand eine Bilderzyklus über das Thema des trojanischen Krieges, 2004 entstand eine Serie von Bildern zu den Dichtungen von George Byron und Percy Bysshe Shelley. Nun stehen wir vor einem neuen Zyklus, einer Serie von gut hundert Bildern, die vorwiegend 2007 entstanden sind. Kaltners Palette hat sich gelichtet. Es überwiegen helle Farben, Weiß, gelegentlich von zarten Abstufungen von Rosa, Grün, Gelb und Blau durchbrochen.

Auslöser und Inspiration für diese Bildserie war 2004 die Überquerung eines zugefrorenen Sees bei Zell am See, in der Nähe von Salzburg. Die Farben, denen wir in den neuen Arbeiten begegnen, tragen diese Erfahrung eines stundenlangen Marsches über eine zugefrorene Oberfläche in sich, spiegeln die Atmosphäre, die Stille der Situation wider. Das Ergebnis seiner Malerei mag dann gelegentlich wie Mauerschimmel erscheinen, der auf feuchten Wänden blüht, manchmal auch wie die Darstellung von Feuersbrünsten, die von dunklen Explosionen durchbrochen werden.

Paolo Thea